Die alte und neue DGB-Bezirks-Chefin Katja Karger über anstehende Betriebsratswahlen, AfD-Mitglieder und Angriffe auf Beschäftigte
Als frisch wiedergewählte Vorsitzende: Was steht in den kommenden vier Jahren ganz oben auf Ihrer To-do-Liste?
Die Situation für die Beschäftigten in Berlin und Brandenburg ist äußerst angespannt. Gerade in Brandenburg gab es viele Betriebsschließungen, viele Kolleg*innen haben ihren Job verloren, viele weitere müssen noch bangen. Dazu kommt der Themenkomplex »Industrie stärken«. Davon müssen unsere Beschäftigten etwas haben. Das Geld muss in den Erhalt und Ausbau von Wertschöpfungsketten fließen. Das alles funktioniert natürlich nicht ohne die sozialen Sicherungssysteme. Errungenschaften von Arbeitszeitregelungen bis Krankenversicherungstehen besorgniserregend unter Druck.
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Sollten Industriestandorte, die auf der Kippe stehen, im Zweifelsfall auf Rüstungsproduktion umstellen, um Arbeitsplätze zu erhalten?
Das ist eines der kompliziertesten und ambivalentesten Themen momentan. Ich würde Ihre Frage erst mal mit Nein beantworten. Wenn aber die Kolleg*innen ganz individuell vor der Wahl stehen, ihren Job zu verlieren oder ihre Miete bezahlen zu können, kann man ihnen keinen Vorwurf machen. Für den Betrieb kann es ein kurzfristiger Ausweg sein. Aber grundsätzlich, industriepolitisch, strategisch ist das überhaupt keine Zukunftsindustrie: Da brauchen wir lokale Wertschöpfungsketten unter sozial-ökologischen Vorzeichen.
