Nachdenkseiten 30.06.21: Ein «gemeinsames Bedrohungsverständnis»

In seiner neusten Ausgabe publiziert die Zeitschrift für Innere Führung der Bundeswehr einen Aufruf zur Erhöhung des Bedrohungsgefühls der deutschen Öffentlichkeit durch Russland zum Zwecke der Stärkung der deutschen Bündnistreue mit den NATO-Oststaaten. Dabei bedient sich der Autor verschiedenster Euphemismen, aber auch wissenschaftlicher Untersuchungen zur öffentlichen Meinung, um für eine effektive, anti-russische Kommunikationskampagne zu werben. Zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion scheint der Ruf nach einem russischen Feindbild wieder Konjunktur zu haben.

Die Kriegstreiberei in Deutschland nimmt an Fahrt auf. Das mag drastisch klingen, doch was hier kürzlich von der Zeitschrift für Innere Führung (IF), dem Magazin der Informations- und Medienzentrale der Bundeswehr, veröffentlicht wurde, kann nicht anders bezeichnet werden. Unter dem Titel «Offene Flanke: Zur Bündnistreue der Deutschen» schrieb der Politikwissenschaftler Timo Graf einen Artikel, der in seiner offen anti-russischen Tendenziösität und dem Aufruf zur politischen Meinungsmache mehr als einen schalen Geschmack hinterlässt.

Graf bespricht in dem Artikel die Bereitschaft der Deutschen, den östlichen NATO-Bündnispartnern zu Hilfe zu kommen im Falle eines russischen Angriffes oder einer «russischen Bedrohung» (was der Unterschied ist und wie «Bedrohung» aufzufassen ist, das verrät der Artikel nicht). Dabei bemängelt Graf die niedrige Bereitschaft der Deutschen zur Bündnistreue, denn obwohl 70 Prozent der Bevölkerung generell dem NATO-Prinzip «alle für einen, einer für alle» zustimmten, so sind laut seinem Artikel doch nur 40 Prozent willens, im Falle eines militärischen Konflikts zwischen einem östlichen Bündnispartner und Russland militärische Gewalt einzusetzen.

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