junge Welt 22.06.26: OPERATION BARBAROSSA – In jeder Hinsicht beispiellos

Zum 85. Jahrestag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion. Aus Anlass einer neuen Gesamtdarstellung, die die Kriegserfahrungen der sowjetischen Seite respektiert

Die erste Ausgabe der »Deutschen Wochenschau« nach dem Angriff auf die Sowjetunion kam am 25. Juni 1941 in die Kinos.¹ Die Sendung war merkwürdig aufgebaut: Sie begann nicht mit dem zweifellos wichtigsten Thema, sondern mit lauter Zweit- und Drittrangigem: dem Endspiel der »Zweiten Kriegsfußballmeisterschaft« zwischen Schalke und Rapid Wien, einer Ehrendoktorverleihung der Universität Göttingen an den japanischen Botschafter in Berlin, dem Beitritt des Satellitenstaates Kroatien zum Antikominternpakt und ein paar Bildern vom Bombardement englischer Versorgungsschiffe vor der libyschen Küste. Dann erst kam das Thema, das die ganze zweite Hälfte der Sendung einnahm: der deutsche Angriff auf die Sowjetunion.

Bewusste Täuschung

Der nach den Kriterien des Nachrichtenjournalismus handwerkliche Fehler war natürlich keiner. Die Propagandisten in der Redaktion wollten beim Publikum den Eindruck erwecken, es gehe eigentlich alles weiter wie bisher. Die Bilder zeigten rollende Panzer, Luftangriffe deutscher Bomber auf sowjetische Flugplätze und erste Kolonnen sowjetischer Kriegsgefangener: »ungewaschene und verkommene Haufen«, so der Kommentator. Später berichteten die »Meldungen aus dem Reich« des SS-Sicherheitsdienstes auf der Grundlage von Spitzelberichten, die Sendung sei »außerordentlich positiv« aufgenommen worden, und die »anfangs bestehende Bedrücktheit« sei unter dem Eindruck der Erfolgsbilder »schlagartig gewichen«.² Auch die Bilder von Kroatiens Beitritt zum Kominternpakt hätten ihren Zweck erfüllt: »Man habe das Gefühl, dass sich bei der Auseinandersetzung mit der Sowjetunion ganz Europa hinter den Führer stellt und die europäische Solidarität zur Wirklichkeit wird.«³ Hier klingt das Trauma des Zweifrontenkrieges aus dem Ersten Weltkrieg an. Einige der Kinozuschauer verwiesen auf »einen gewissen Widerspruch« zwischen der Behauptung Hitlers, er sei einem sowjetischen Angriff nur knapp zuvorgekommen, und den Aussagen in Frontberichten, die sowjetischen Truppen seien »völlig überrascht« worden.⁴

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