Kontext:Wochenzeitung 14.10.26: Ein unglücklicher Rabbi

Wie Israels Zukunft aussehen wird, weiß Jeremy Milgrom auch nicht. Doch der Rabbi und Friedensaktivist hört nicht auf, für ein friedliches Zusammenleben zu werben. Auch und gerade in Deutschland, zum Beispiel an der Gottlieb-Daimler-Schule in Sindelfingen.

Die etwa 200 Plätze in der Aula sind gut gefüllt. Schülerinnen und Schüler des 12. und 13. Jahrgangs sowie einige Berufsschüler:innen sind bereit, dem US-amerikanisch-israelischen Rabbi Jeremy Milgrom zuzuhören. Auch wenn sie von ihren Lehrkräften zu dem Termin verpflichtet wurden, ist die Aufmerksamkeit groß. Als der 73-Jährige ans Mikrofon tritt, ist es mucksmäuschenstill. Milgrom, der sich gerade auf Einladung von Pax Christi Diözese Rottenburg-Stuttgart auf einer Reise durch Deutschland befindet, ist ein hochgewachsener Mann in Jeans, die Ärmel seines blau-weiß gestreiften Hemdes hochgekrempelt, keine Kippa, keine Schläfenlocken – ein Umstand, der manche Schüler:innen überrascht, wie sich später zeigt. Milgrom späht freundlich durch seine Brille, lächelt und spricht eher leise.

Aufgewachsen in den USA, lebt er seit 50 Jahren in Israel, war dort auch beim Militär. Eigentlich hatte er sich gefreut über den Umzug, erzählt er. „Jetzt kann ich immer hebräisch sprechen, bin unter meinen Leuten, dachte ich.“ Doch es kam anders. Er wurde zum Friedensaktivisten, setzt sich seit Jahrzehnten ein für ein friedliches Zusammenleben mit den Palästinenser:innen.

Den Schüler:innen bringt er an diesem Morgen mit Geschichten nahe, wie die Lage in Israel zur Zeit ist.

zum Artikel