Kontext Wochenzeitung 01.04.26: Kein Bock auf Kriegstüchtigkeit

An diesem Karsamstag gehen wieder Tausende für den Frieden auf die Straße. Der Zeitpunkt passt: Deutschland rüstet auf, und der neue Wehrdienst ist seit diesem Jahr in Kraft. Besonders die junge Generation hat auf den Kriegsdienst fürs Vaterland so gar keine Lust.

Das anstehende Osterwochenende ist für viele nicht nur verbunden mit der Auferstehung Jesu, dem Suchen bunter Eier oder Rührteig-Lämmchen mit Puderzucker. Traditionell steht am Karsamstag vielerorts der Ostermarsch an: eine Demonstration gegen Krieg und für Frieden. Der Ursprung liegt in den späten 1950er-Jahren, damals protestierten Friedensinitiativen gegen das Wettrüsten im Kalten Krieg, insbesondere gegen Atomwaffen. Dann brachen die Staaten des Warschauer Pakts zusammen, der Kalte Krieg war beendet und 2011 setzte die schwarz-gelbe Bundesregierung die Wehrpflicht aus. Die Ostermärsche büßten an Relevanz ein, ihre Teilnehmer:innen wurden zunehmend grauhaarig.

Inzwischen ist die Situation wieder eine andere. Der Krieg in der Ukraine währt im fünften Jahr. Die US-Regierung hat das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium umbenannt, entführt unliebsame Staatschefs und bombardiert den Nahen Osten. Zwischen Donald Trumps Vereinigten Staaten und Europa ist das Verhältnis zerrüttet und die deutsche Regierung nimmt sich vor, unabhängiger und „kriegstüchtig“ zu sein, wie es Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) formuliert. Im Dezember verabschiedete der Bundestag das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, mit dem Jahreswechsel ist es in Kraft getreten. Das Ziel: Das deutsche Militär soll bis 2035 mit 260.000 aktiven Soldat:innen neben 200.000 Reservist:innen aufwarten können. Aktuell stehen weniger als 190.000 unter Waffen. 

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