Vor 120 Jahren veröffentlichte Karl Liebknecht einen klassisch gewordenen Text gegen Wehrpflicht und Militarismus
Nun, wie ihm auch sei, ihr werdet in die Kasernen einziehen.
Dort werdet ihr bald hören: Nicht nur zum Kampf gegen den äußeren Feind, nein, auch zum Kampf gegen den inneren Feind sollt ihr dienen!
Wer ist der innere Feind?
Auf Vater und Mutter, Bruder und Schwester sollt ihr nach Kommando schießen! Fürs Vaterland?
Man wird euch zu Streikbrecherdiensten abkommandieren. Fürs Vaterland?
Man wird euch, wie in Nürnberg und Magdeburg und wie in ganz Preußen und Hessen am 21. Januar 1906, in den wirtschaftlichen Kämpfen zwischen Arbeiterschaft und Unternehmertum zum Schutze des Unternehmertums und in den politischen Freiheitskämpfen der Arbeiterschaft zum Schutze eurer Unterdrücker gegen die Arbeiter, eure Kameraden, Kollegen und Gesinnungsgenossen, zu den Waffen rufen.
Fürs Vaterland?
Die Augen werden euch aufgehen, wenn sie nicht schon geöffnet sind.
Was ist das für ein Vaterland, das nicht das ganze Volk umfasst, euch von euren Liebsten reißt, zu Feinden eurer Freunde machen will? Das den Kampf gegen die Arbeiterschaft proklamiert, das sich eins fühlt mit dem Unternehmertum, mit jeder Reaktion?
