Luftpost 25.03.20: Gefahr eines Atomkriegs

Die Zeiten sind mau, nicht nur wegen Corona. Zwar wurde das Manöver Defender gestoppt aber noch Ende Februar hat der Oberkommandierende der NATO, General Tod Wolters, der Kommandeur des EUCOM in Stuttgart und gleichzeitig Supreme Allied Commander in Europe (SACEUR) und damit Oberkommandierender aller Streitkräfte der NATO, bei einer Anhörung im US-Senat erklärt: „Ich bin ein Befürworter des flexiblen Ersteinsatzes von Atomwaffen“ .

(https://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP02620_250320.pdf)

Aktuelle Informationen

Aktuelle Situation:
Vor 2 Wochen konnten sich die meisten von uns noch nicht vorstellen, wie sich die Situation auch in Deutschland entwickeln und rapide verschärfen wird. Alle sozialen Kontakte müssen nun auf ein Minimum reduziert werden. Somit sind für die nächsten Wochen von der Friedensbewegung alle geplanten Aktivitäten und Proteste auf der Straße abgesagt. 

Die massive Kontaktminimierung ist aus medizinischer Sicht notwendig, um die Ausbreitung der Krankheit zumindest verlangsamen zu können, da unser Gesundheitssystem einer Eindämmung des Virus nicht gewachsen ist – anders als in China. 

Nachdem dort die Gefahr die von dem Virus ausgeht, wenn auch verspätet, erkannt wurde, ergriff die Regierung umfangreiche Gegenmaßnahmen. So wurden z.B. aus dem Land 4.000 Ärzt*innen und Helfer*innen alleine in der Region Wuhan eingesetzt und massenhaft Tests durchgeführt. Infektionswege konnten nachvollzogen und Infizierte isoliert und behandelt werden. Es starben in China über 3.000 Menschen, doch in den letzten Tagen gab es nur noch sehr wenige Neuinfizierte, wobei die meisten aus dem Ausland Eingereiste sind.

Ganz anders in Italien, wo bereits über 4.000 Menschen der Krankheit zum Opfer gefallen sind, nach Pressemeldungen alleine 600 in den letzten 24 Stunden. Das Gesundheitssystem ist kollabiert.

In Deutschland stehen wir erst am Anfang, aber bereits jetzt reichen die technischen und personellen Kapazitäten nicht annähernd aus, um alle Menschen, die Symptome aufweisen, testen zu können. Getestet werden nur noch die, die schwer erkrankt oder einer Risikogruppe zugehörig sind. Somit werden an Corona Erkrankte und ihre Angehörigen vielfach nicht erkannt und isoliert, was zu einer weiteren Verbreitung führt.

Die Ärzt*innen und Pfleger*innen arbeiteten bereits vor der Corona – Krise am Anschlag, das öffentliche Gesundheitssystem wurde gegen vielfache Proteste von den Regierenden im Bund und in den Kommunen großteils zerschlagen und privatisiert. Von der Daseinsvorsorge wurde auf Profitmaximierung umgeschaltet, das muss auch allen Entscheider*innen in der Politik klar gewesen sein. Jetzt drohen den Beschäfitgten bereits Schutzmasken und Schutzkleidung auszugehen, womit sie sich auch noch selbst gefährden müssen.

Hier ein Link zu Forderungen aus dem gewerkschaftlichen Bereich zum Schutz der Beschäftigten:

https://www.vernetzung.org/corona-gefahr-sofortmassnahmen-im-interesse-der-abhaengig-beschaeftigten-gewerkschaften-muessen-handeln/

Die italienische Regierung bittet weltweit um Hilfe und Unterstützung, von der deutschen Regierung gab es nur warme Worte des Mitgefühls. Aus China sind bereits 2 Flugzeuge mit Mediziner*innen und Ausrüstung gelandet, weitere werden folgen und aus Kuba wird heute am Samstag ein Flugzeug mit 53 Ärzt*innen und Krankenpfleger*innen ankommen. Ausgerechnet aus Kuba, dass immens unter der massiven Blockade der USA und auch der EU leidet, wo es aber ein gutes kostenloses Gesundheitssystem für alle gibt und Solidarität mehr als eine Floskel ist.

https://amerika21.de/2020/03/238383/corona-covid-19-kuba-china-italien-cuba

https://www.dw.com/de/ebola-und-corona-hilfe-aus-havanna/a-52758501

Bundeswehr:
Somit zeigt sich in dramatischerer Form, als wir dachten, dass die folgende Forderung der Friedensbewegung aus dem Jahr 2017 richtig war. Nach dem Ende der Ausnahmesituation werden wir gemeinsam mit den sozialen Bewegungen verstärkt dafür eintreten müssen:

Dass die Militärs anders denken, verwundert nicht:

Vorgestern erklärte der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, dass die NATO-Staaten – ungeachtet der Belastungen durch die Corona-Pandemie – *weiter aufrüsten* sollen, um das *2-Prozent-Ziel* einzuhalten:

„Trotz der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise forderte Stoltenberg die Nato-Staaten dazu auf, ihre Zusagen bei der Erhöhung der Verteidigungsausgaben einzuhalten.“ (ZEIT-online, 19.3.2020).

Nun hat die Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer die Reservisten aufgefordert sich zu melden, um zur Bewältigung der Krise eingesetzt zu werden. Es geht ihr auch darum, mit dem Einsatz von Soldat*innen und Reservist*innen das Image der Militärs aufzupolieren. 

In der Frankfurter Rundschau vom 20.03.2020 ist zu lesen: ( „Wir bereiten uns darauf vor, dass die Bundeswehr zur Verfügung steht, wenn zivile Stellen an ihre Grenzen kommen.“ Bereits aktiv sind die Streitkräfte in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und anderen Stellen vor allem bei der Materialbeschaffung. So seien unter anderem Schutzanzüge, Masken, Medikamente und weiteres medizinisches Material wie insbesondere Beatmungsgeräte im Gesamtvolumen von rund 240 Millionen Euro weltweit gekauft worden.) In Bundeswehr-Krankenhäusern werden laut der Ministerin Betten für mit Corona Infizierte freigemacht, und die Streitkräfte könnten auch zusätzliche Isolationsbetten zur Verfügung stellen.)

Wenn man die Sache von der anderen Seite her betrachtet, wird ein Schuh draus:

Um wieviel besser würden wir in dieser Krise dastehen, wenn in diesem Land nicht jährlich 50 Mrd. Euro unserer Steuergelder für Panzer, Fregatten, Maschinengewehre und sonstige todbringende Waffen ausgegeben werden würden! 

Das sind pro Einwohner*in 625 Euro vom Säugling bis zum Senior, oder aber 375 Mio. Euro, die alleine von den Stuttgarter Bewohner*innen Jahr für Jahr ins Militär fliesen.

Und um wieviel besser würden wir jetzt dastehen, wenn wir uns nicht 182.000 Soldat*innen „leisten“ würden, sondern diese Menschen in Berufen einsetzen könnten, die der Bildung und Gesundheit der Bevölkerung zuträglich wären!

Hier noch eine aktuelle Presseerklärung der DFG-VK:

https://www.dfg-vk.de/unsere-themen/anti-militarisierung/coronakrise-muss-zum-umdenken-f%C3%BChren-zivile-sicherheit-muss-priorit%C3%A4t-werden

Defender:

Das gigantische US- bzw. Nato-Manöver Defender Europe 2020 wurde aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen und modifiziert:

https://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP02320_170320.pdf

Kein Grund zur Beruhigung. Die Streitkräftebasis der Bundeswehr schätzt ein, „die mit der Verlegung umfangreicher alliierter Kräfte verbundenen Ausbildungsziele wurden bereits jetzt erreicht“.

Unter folgenden BW-Link können die aktuellsten Pressemeldungen hierzu gelesen werden.

https://www.bundeswehr.de/de/organisation/streitkraeftebasis/uebungen/defender-europe-20

Noch eine interessante Info …

https://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP02220_150320.pdf

 … und ein Artikel aus der Jungen Welt

https://www.jungewelt.de/artikel/374827.virus-bremst-kriegstreiber.html

Ostermarsch – Dieses Jahr dezentral an vielen Fenstern und Balkonen!

Auszüge aus dem Schreiben vom 19.03.2010 vom Friedensnetz Baden Württemberg 

Am 11. April wird also kein Ostermarsch in Stuttgart stattfinden!

Dennoch wollen wir nicht darauf verzichten, an Ostern unsere Forderung nach Frieden und Abrüstung auch auf der Straße deutlich zu machen.

Wir rufen alle Friedensfreund*innen auf: 

Hängt an Ostern Friedensfahnen vom Balkon oder aus dem Fenster!! 

Wer keine hat, kann sie rechtzeitig bei uns bestellen:

klassische Pacefahne mit Hohlsaum f. Stange 10 € + Porto (bei einer Fahne 1,60 bei mehreren 2,75 €)

Pacefahne mit Eindruck „no to nato“ mit Ösen 8 € + Porto (bei einer Fahne 1,60 beim mehreren 2,75 €) 

Zur Bestellung schickt bitte eine E-Mail an thomas.haschke@gmx.de   und überweist vorab das Geld an dfg-vk Stuttgart, DE32 4306 0967 4006 1617 40 GLS Bank, Stichwort Pace Fahne oder No Nato Fahne

Siehe auch https://www.friedenskooperative.de/alternativer-ostermarsch#block-nodeblock-16951