Rede zum Volkstrauertag in Feuerbach 2018

Ilse Kestin
Landessprecherin der VVN-BdA Baden-Württemberg
-es gilt das gesprochene Wort-

Sehr geehrte Frau Klöber,
liebe Kameradinnen und Kameraden,
liebe Freundinnen und Freunde,
sehr geehrte Damen und Herren,
die erste offizielle Feierstunde zum Volkstrauertag fand nach dem ersten Weltkrieg 1922 statt. Der damalige Reichstagspräsident Ebert hielt eine vielbeachtete Rede, in der er einer feindseligen Umwelt den Gedanken an Versöhnung und Verständigung gegenüberstellte.

Die Nazis machten daraus ihren Heldengedenktag.

Als Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Bunde der AntifaschistInnen gedenken wir heute der Opfer des Naziterrors aber vor allem ist dieser Tag für uns ein Tag des Erinnerns und der Mahnung, der Mahnung zur Versöhnung und Verständigung zum Frieden.

Gertrud Müller, Alfred Hausser, Hans Gasparitsch und Wilhelm Braun – Gründungsmitglieder der VVN –  haben bereits 1947 dafür gesorgt, dass diese Gedenkstätte hier für die Opfer des Faschismus errichtet werden konnte. Sie hatten dafür viel Unterstützung durch den Stuttgarter OB Arnulf Klett.

Bei den Recherchen zu unserer 70-Jahrfeier im letzten Jahr, konnten wir feststellen, dass die Überlebenden der Konzentrationslager in der Bevölkerung zunächst eine hohe Wertschätzung erfuhren, bevor in der Adenauer Administration die restaurativen Kräfte sich durchsetzten und die VVN als „kommunistisch unterwandert“ gebrandmarkt wurde.

Freundinnen und Freunde, aber natürlich haben sich in der VVN auch Kommunisten organisiert – waren sie doch die am meisten verfolgte Gruppe. Wie auch viele der Menschen, derer hier gedacht wird.

Ich vertrete als Landessprecherin der VVN-BdA Baden-Württemberg unsere Organisation. Wir haben es uns, seit dem Ende des Hitlerfaschismus zur Aufgabe gemacht, gegen das Vergessen und für eine bessere gerechtere Welt zu kämpfen.

Wir gedenken heute derer, die unter dieser Diktatur unterdrückt, eingesperrt, gefoltert und ermordet wurden.

Wir erinnern an alle Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes: an die Häftlinge der Konzentrationslager, an die Toten auf den Schlachtfeldern, an die Soldaten, die den Befehl verweigerten oder desertierten und dadurch ihr Leben verloren, an die Opfer der Zivilbevölkerung, sie alle waren Opfer des Faschismus.

Freundinnen und Freunde, beide Weltkriege gingen von deutschem Boden aus.  Im ersten Weltkrieg starben weltweit 10 Millionen Soldaten, 20 Millionen wurden verwundet. In Deutschland starben 1,8 Millionen Soldaten und 750.000 Menschen verhungerten. Im Zweiten Weltkrieg waren 60 Millionen Tote auf den Schlachtfeldern und in den Vernichtungslagern und 35 Millionen Verkrüppelte deutliche Mahnung.

Kameradinnen und Kameraden, der Nationalsozialismus war kein blindes Schicksal, Hitler kein Betriebsunfall der Geschichte. Hinter ihm standen Industrielle, wie Thyssen, Krupp, Siemens, Bosch, Flick und viele andere. Sie haben Hitler finanziert: um Zugang zu Rohstoffquellen zu bekommen, um neue Absatzmärkte zu sichern, um Rüstungsprofite zu machen. Dies im Blick zu behalten ist wichtig. Es waren keine Schicksalsmächte, die Hitler möglich machten, sondern vielmehr politisch ökonomische Interessen.

Und deshalb, sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde, gilt es auch 72 Jahre nach dem Hitlerfaschismus Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, solidarisch gegen Naziaktivitäten, gegen Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit aufzustehen.

Was wir tagtäglich an Fremdenfeindlichkeit, an Hetze gegen Ausländer und Asylbewerber, an Übergriffen und Brandstiftung erleben, zeigt das auf das Deutlichste: Es gab 1945 keine Stunde „Null“! Der Nationalsozialismus war auf dem Schlachtfeld, nicht aber in den Köpfen besiegt.

Wir erleben mit den Wahlerfolgen der AFD, dass seit dem Ende des Faschismus eben kein gesellschaftliches Umdenken stattgefunden hat. Die AFD gestaltet sich zum Sammelbecken für alle möglichen rechten Gruppierungen und Neonazis. Sie bedienen populistisch die Ängste der Menschen, versuchen sich als Bürgerbewegung zu etablieren und sind doch nichts Anderes als Rassisten und Revanchisten.

Diese braun gefärbten Biedermänner haben keinen Platz in unserer Gesellschaft!

Sehr geehrte Damen und Herren,
Freudinnen und Freunde,
die Befreiung vom Hitlerfaschismus hatte immer eine besondere Bedeutung für die Identität und Legitimität der Bundesrepublik. Die mit großen Opfern erzwungene bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht war die Vorrausetzung, auf der sich die bundesdeutsche Gesellschaft entwickeln konnte.

Das Grundgesetz mit seinen Menschenrechten und seinem Recht auf Asyl war die logische Entwicklung aus diesen Erfahrungen. Aber heute ertrinken jeden Tag Menschen auf ihrer Flucht über das Mittelmeer. Sie fliehen vor Kriegen, ethnischen Verfolgungen, Armut und Perspektivlosigkeit in ihren Heimatländern. Es kann nicht angehen, dass sie an Europas Grenzen aufgehalten und wieder in die Hoffnungslosigkeit zurückgeschickt werden. Es kann nicht angehen, dass sie in menschenunwürdigen Lagern vegetieren müssen.

Es kann nicht angehen, dass diese Menschen, die aus Syrien vor Terror und Krieg geflohen sind, zum Spielball von Machtinteressen werden!

Und es kann nicht angehen, dass diese entscheidenden Werte unserer Verfassung unter dem Druck rechtspopulistischen Packs zur Disposition stehen sollen!

Wir brauchen eine gemeinsame europäische Politik der Hilfe zur Selbsthilfe, die die Menschen in ihren Herkunftsländern in die Lage versetzt, sich ein menschenwürdiges gesichertes Dasein aufzubauen. Wir brauchen eine aktive Friedenspolitik in Krisengebieten und keine Bundeswehreinsätze! Deutschland schuldet der Welt keine Soldaten und Waffen, sondern Beiträge zu Frieden und Abrüstung. Wir brauchen keinen neuen kalten Krieg und wir wollen keine europäische Armee! Auch wenn es schon lange den Konsens in der Bundesregierung gibt, dass ein Rohstoff armes Land wie Deutschland, eine Armee zur Sicherung ihrer Versorgung braucht. Auch wenn das nicht so deutlich ausgesprochen wird.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Freundinnen und Freunde,
wir wollen eine Gesellschaft ohne soziale Ungerechtigkeiten, ohne Massenarbeitslosigkeit und Krieg, ohne Rassismus und ohne Rechtsradikalismus! Wir wollen Sicherheit und soziale Gerechtigkeit, Lebensqualität und Perspektiven für alle! „Alle Menschen haben Anspruch auf die Güter dieser Welt“, schrieben Sophie und Hans Scholl in ihrem letzten Flugblatt der weißen Rose.

 

Und der türkische Dichter Nazim Hikmet drückt es so aus:
„Lasst uns den Kindern den Erdball schenken
wie einen runden Apfel oder ein warmes Brot.
Den ganzen Erdball sollen sie haben,
dass sie kennen lernen, was Freundschaft ist.
Sie werden darauf unsterbliche Bäume pflanzen.“

Nie wieder Auschwitz!
Nie wieder Faschismus!
Nie wieder Krieg!

Impressionen vom Antikriegstag am 1. September

In verschiedenen Stadtteilen gab es Infostände mit Unterschriftsammlungen, Materialverteilung und aufgehängten Bannern unter dem Motto „Abrüsten statt Aufrüsten“.

 

Viele Gespräche mit Passanten wurden geführt und weit über 100 Unterschriften konnten gesammelt werden. Auch dieses Jahr ist es uns wieder gelungen, als Friedensbewegung an vielen Punkten in der Stadt präsent zu sein.

Tausende Menschen haben unser Anliegen wahrgenommen. Die Kundgebung auf dem Karlsplatz war besser besucht als im vergangenen Jahr.

 

Dies sollte uns Mut machen, als Friedensbewegung noch stärker in der Öffentlichkeit sichtbar zu werden.

Einladung zur Feuerbacher Kulturnacht

LIVEKONZERT „DIE MARBACHER“
Die MARBACHER präsentieren alte und neue Friedenslieder: Deutsche und internationale Folkmusik, ein buntes und kurzweiliges Programm mit handgemachter Musik. Auftritte um 18.45 und 22:00 Uhr.

Weitere Programmpunkte:
Kurzfilme zum Atomwaffenverbotsvertrag, Informationen zu Aufrüstung und Waffenexporten, Friedensgedichte, Friedenstauben basteln für Kinder, Getränke und kleine Snacks, …

Einfach mal vorbeischauen!
Es würde uns freuen, Sie bei der Kulturnacht begrüßen zu dürfen. Selbstverständlich kostenfrei!

Samstag, 14. April 2018 
18:00 – 21:30 Uhr in der „Kita 49“
Stuttgarter Straße 49, (U6, U13, Haltestelle Wilhelm-
Geiger-Platz, ca. fünf Gehminuten bis zur Kita 49)

UNO – ATOMWAFFENVERBOTSVERTRAG RATIFIZIEREN!
STUTTGART DARF NICHT ZUR ZIELSCHEIBE WERDEN!
Seit Januar 2018 steht die sogenannte Doomsday Clock auf 2 Minuten vor zwölf.
Die Gefahr eines Atomkrieges ist so groß wie seit dem zweiten Weltkrieg nicht
mehr. Zahlreiche kriegerische Konflikte und ein neues Wettrüsten von USA,
Russland, den NATO-Staaten, aber auch vieler Staaten weltweit lassen einen
Atomkrieg immer wahrscheinlicher werden.
Deutschland spielt innerhalb der NATO mit einer aktiven nuklearen Teilhabe eine Schlüsselrolle. Die Bundesregierung muss dem Verbotsvertrag von Atomwaffen beitreten und den Abzug der Atomwaffen aus Büchel auf den Weg bringen. Sie muss sich endlich von der Abschreckung und der gefährlichen Eskalationspolitik lösen. Nur so kann sie glaubwürdig für Abrüstung und Deeskalation eintreten. Die USA haben aus militärischer Sicht die Welt in sechs Einflussgebiete aufgeteilt.
Zwei der Kommandozentralen sind in Stuttgart. Das Africom ist zuständig für Afrika. Im Eucom werden alle Manöver der USA und der NATO, aber auch Kriegseinsätze in Europa, das für die USA bis an die russisch-nordkoreanische Grenze geht, geplant und gesteuert. Dies schließt den Einsatz von Atomwaffen ein. Im Kriegsfall wäre Stuttgart erstrangiges Ziel eines militärischen Gegenschlags. Jegliches Leben in Stuttgart würde vernichtet werden.
Wir fordern die Schließung von Eucom und Africom, insbesondere dass die
Landesregierung und der Stuttgarter Gemeinderat in dieser Sache aktiv werden.
Die Stadt Stuttgart hat sich den Internationalen Bürgermeistern für den Frieden
angeschlossen. Hier gilt es, den Absichtserklärungen Taten folgen zu lassen.
Die Große Koalition plant eine deutliche Erhöhung des Rüstungsetats mit dem Ziel diesen gegenüber heute von 38,5 auf 65 Mrd. Euro annähernd zu verdoppeln. Wir vom Friedenstreff Nord fordern stattdessen eine umfassende Abrüstung, um die zahlreichen sozialen Aufgaben bewältigen zu können.